„Der Arbeitsplatz sollte viel stärker als Produkt gedacht werden.“

Timo Kaapke beschäftigt sich seit 2005 mit den Auswirkungen von New Work auf Unternehmensführung.

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Der 42-jährige ist Unternehmer und Gründer im kaapkehaus im Drantumer ecopark. Als Sparringspartner begleitet er seit vielen Jahren mittelständische Firmenlenker der alten und jungen Generation – insbesondere im Rahmen einer zukunftsfähigen Nachfolgegestaltung.


Von Sonja Smalian
 

Herr Kaapke, warum beschäftigen Sie sich so intensiv mit dem Wandel der Arbeitswelt und dem Megatrend New Work?

Die Arbeits- und Geschäftswelt befindet sich im ständigen Wandel. Das ist an sich nichts Neues. Nur ganz anders. Denn unsere heutige Arbeitswelt erfährt seit einigen Jahren eine ganz grundlegende Transformation, deren Auslöser sehr vielfältig sind. Insbesondere Connectivität, Globalisierung, Digitalisierung und der demografische Wandel beeinflussen den Wandel der Arbeitswelt massiv. New Work ist ein Inbegriff für diese Entwicklung. Unternehmer müssen Antworten darauf finden, wie sie damit umgehen. Und das sind ganz andere als noch vor 50 Jahren. Denn Arbeit ist heute mehr als nur Broterwerb und Maloche. Arbeit sollte einen Sinn haben. Und den müssen Firmen für sich klar haben. 

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Führt sein mehr als 30-köpfiges Team wie eine Sportmannschaft: Timo Kaapke hat im Jahr 2000 die auf Marken im Mittelstand spezialisierte Markenagentur Kaapke gegründet.
 

Ist das nicht eine akademische Diskussion, die eher in hippen Bürolofts in Berlin geführt werden sollte? Braucht es diese Fragen im Oldenburger Münsterland überhaupt?

Ja, ich denke schon, weil diese Bewegung keine vorübergehende Erscheinung ist, die irgendwann wieder vorbei ist. Und es ist eben kein Thema, das nur Großkonzerne etwas angeht. Deutschland ist ohne den Mittelstand nicht denkbar. Gerade inhabergeführte Unternehmen müssen sich mit diesen Fragen auseinandersetzen, wenn sie motivierte Nachfolger und Mitarbeiter für ihre Firmen finden wollen. Dabei haben mittelständische Unternehmen die allerbesten Anlagen, konstruktive Antworten zur Gestaltung der Neuen Arbeitswelt zu finden – viel bessere als Konzerne sie haben können.

Worüber reden wir denn ganz konkret? Geht es um Betriebskindergärten, Gleitzeit oder Kantinen? Wie sieht die Neue Arbeitswelt aus?

Sehen Sie, genau das kritisiere ich an der gegenwärtigen Diskussion in den Medien. Über New Work wird hauptsächlich aus Mitarbeiterperspektive argumentiert. Das ist eine total wichtige Perspektive. Keine Frage. Aber wir müssen uns auch fragen, was New Work für die Rolle des Unternehmers bedeutet!

Wenn es nicht nur um „Mitarbeiter-Bespaßung“ geht, worum geht es dann im Kern?

Das oberste Unternehmensziel sollte es nicht sein, möglichst viel Umsatz zu machen.

Sondern?

Der Zweck eines jeden Unternehmens ist es, Kunden besser zufrieden zu stellen als andere das machen. Je besser das einem Unternehmen als Ganzes gelingt, desto erfolgreicher ist es. Auch finanziell.

Was ist nach dieser Sichtweise also die Aufgabe des Unternehmers?

Für mich geht es im Kern darum, die Bedürfnisse aller Beteiligten – und das sind immer Kunden, Mitarbeiter und Unternehmer – so auszutarieren, das ein Win-Win-Win-Spirit entsteht. Es gilt, ein Spielfeld zu schaffen, auf dem es Spielern möglich ist, genau das umsetzen zu können. Wertschätzung und Wertschöpfung in Einklang bringend. Dieses Spielfeld aktiv zu gestalten, das ist der wahre Unternehmerjob!

Die Arbeitswelt ist im beständigen Wandel. Der Fachkräftemangel und flexible Arbeitszeitmodelle stellen schon für viele Unternehmen in der Region eine Herausforderung dar. Was auch immer an zusätzlichen Angeboten geschaffen werden soll, das Geld dafür muss ja zunächst erst einmal verdient werden. Wie lautet ihre Antwort auf diese Kritik?

Darauf würde ich die Gegenfrage stellen: Was ist dein Mitarbeiterprodukt? Das heißt, welches Arbeitsumfeld schaffst du als Unternehmer, damit sich deine Mitarbeiter erfolgreich für eure Kunden engagieren können, und vor allem auch bei dir bleiben und nicht wechseln? Der Arbeitsplatz sollte viel stärker denn je als Produkt gedacht werden. Denn der Mitarbeiter ist auch ein Kunde. Mittelständler sind in der Produktentwicklung für Kunden super. Was wäre, wenn sie mit der gleichen Leidenschaft und Energie das Produkt Arbeitsplatz entwickeln würden? Elemente wie eine Kantine, Gleitzeit, ein ergonomischer Arbeitsplatz, ordentliche Technik oder ein Firmenwagen sind alle wichtig. Doch das ist alles nichts wert, wenn das Wichtigste fehlt.

Und das wäre?

Führung. Und Führung ist zum allergrößten Teil Kommunikation. Ein super Betriebsklima oder ein tolle Unternehmenskultur kann man nicht kaufen. Sie entstehen durch Kommunikation und das Beobachten dieser. Deswegen greifen viele Employer-Branding-Konzepte zum Beispiel auch viel zu kurz. Das ist oftmals nur eine hübsche Verpackung, der zugegebenermaßen auch so mancher Bewerber auf den Leim geht. Bewusst zu kommunizieren im Sinne des Unternehmenszwecks braucht allem voran Klarheit. Es muss allen klar sein, was gemeinsam erreicht werden soll. Welches Erfolgsbild haben wir? Wollen wir in die Kreis- oder Bundesliga aufsteigen? – Oder wollen wir gemeinsam gar Weltmeister werden?

Fakten:

  • Timo Kaapke (42) hat im Jahr 2000 die auf Marken im Mittelstand spezialisierte Markenagentur KAAPKE gegründet (www.kaapke.com) mit heute über 30 Mitarbeitern.
  • Der Kommunikationswirt begleitet als Sparringpartner Unternehmer in Norddeutschland persönlich in strategischen Fragen, insbesondere für eine generationenverbindende Nachfolgegestaltung.
  • Er ist Mitgründer der GoGREAT Community, in der sich mittelständische Unternehmen aus ganz Deutschland gegenseitig unterstützen, ihre Firmen nach den Prinzipien des Teamsports zu führen (www.gogreat.community).
  • Das 2007 erbaute kaapkehaus hat er mit dem Fraunhofer Institut als NewWorkSpace entwickelt als Plattform für agiles Arbeiten.
  • Mittlerweile gehören zum kaapkehaus im ecopark mehrere weitere operative Firmen, die Mittelständler in verschiedenen Bereichen dabei unterstützen, mit ihren Anspruchsgruppen bewusster zu kommunizieren.
  • Er ist Initiator des Marketing-Zirkels Oldenburger Münsterland, der sich das nächste Mal am 15. November 2018 trifft (www.marketing-zirkel.com).
  • Timo Kaapke ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er lebt in Cloppenburg.

 

Quelle: Oldenburgische Volkszeitung vom 30. Mai 2018
Fotos: Sonja Smalian

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